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Editorial
Sucht
von Norbert Link

Mein Vater war ein nachhaltig-intensiver Raucher gewesen, der seine Pfeifen, Zigaretten und auch Zigarren ausgiebig genoss. Als er 50 Jahre alt war, waren sein älterer und sein jüngerer Bruder an unterschiedlichen Krankheitsformen von Krebs gestorben, deren Ursache mit Rauchen zusammenhing. Mein Vater erkannte, dass er der nächste Verstorbene in seiner Familie sein würde, wenn er nicht aufhörte zu rauchen. Das Rauchen aufzugeben, war jedoch nicht leicht. Ohne es zu bemerken, war er suechtig geworden. Er entschied sich, an einem ausgewählten Mittag seine letzte Zigarette zu genießen, was er auch tat. Seitdem rauchte er nie wieder. Er ist jetzt fast 95 Jahre alt. Er war in der Lage, seiner Sucht zu widerstehen, weil er die unumschränkte Notwendigkeit dazu erkannte, falls er weiterleben wollte.

Sucht kann in den verschiedenartigsten Varianten auftreten. Menschen können dem Rauchen oder dem Essen verfallen sein, alkohol-, fernseh-, kino-, drogen-, sogar sexsüchtig sein, oder von Geld und materiellem Reichtum, vom Glücksspiel, vom Sport oder anderen Hobbys, von den mannigfaltigsten Arten der Unterhaltung wie Videospielen, Computern, Telefon (einschließlich dem Handy) abhängig sein, oder nach der Gesellschaft von Freunden süchtig sein. Einige sind zu sogenannten "Workaholics" (Arbeitssüchtigen) geworden, während andere hingegen von ihren Partnern, ihren Eltern oder Kindern, oder von dem Ehepartner eines anderen Menschen abhängig sind.

Welche Sorte von Sucht es auch immer ist, sie muss überwunden werden. Doch dies bedarf erst der Erkenntnis, dass wir tatsächlich suechtig geworden sind. Wenn wir unser Problem ignorieren oder nicht akzeptieren wollen, dann können wir es auch nicht bewältigen. Die meisten Süchtigen gestehen sich ihre Sucht nicht ein. Sie stellen vielleicht einmal fest, dass sie manchmal etwas zu viel trinken, aber nicht, dass sie vom Alkohol abhängig geworden sind. Raucher bestreiten ihre Sucht, indem sie zum Beispiel sagen, dass sie jederzeit mit dem Rauchen aufhören könnten, wenn sie es nur wollten. Das Leugnen der Abhängigkeit verleitet zu der Annahme, alles sei in Ordnung -- bis zum "Brandmal in [unserem] Gewissen" (1. Timotheus 4,2). Achten wir auf den Weg einer Ehebrecherin oder "Sexsüchtigen": "Sie verschlingt und wischt sich den Mund und spricht: Ich habe nichts Böses getan" (Sprüche 30,20).

Wir sollen zuerst Gott und seine Gerechtigkeit suchen. Wir können nicht zugleich Gott und dem "Mammon", den weltlich-materiellen Reichtümern, dienen (vgl. Matthäus 6,24). Wenn wir von Besitztümern abhängig sind, dienen wir nicht in erster Linie Gott. Vielmehr sollen wir Knechte Christi sein (vgl. 1. Petrus 2,16; 1. Korinther 7,22.23), und sogar unser "Denken in den Gehorsam gegen Christus" "gefangen nehmen" (2. Korinther 10,5). Nichts und niemand sonst darf eine wichtigere Rolle in unserem Leben spielen als Gott und sein Wille.

Abhängig von weltlichen Dingen zu sein, bedeutet, das Urteilsvermögen zur Feststellung der richtigen Prioritäten verloren zu haben. Wenn wir wissen wollen, ob wir von etwas abhängig geworden sind, dessen wir bedürfen, um uns regelrecht glücklich oder befriedigt zu fühlen, sollten wir einen Test machen. Schaffen wir es auch ohne dies, was auch immer es ist, auszukommen? Wenn nicht, dann sind wir tatsächlich süchtig danach geworden.

Paulus sagte in 1. Korinther 6,12: "Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen."

Prüfen wir uns selbst, ob wir süchtig geworden sind. Wenn wir es sind, müssen wir unsere Abhängigkeit überwinden. Ohne es vielleicht zu merken, haben wir mit unserer Sucht das erste der zehn Gebote gebrochen, das uns sagt, wir sollen keine anderen Götter neben dem wahren Gott haben (siehe 2. Mose 20,2.3). Unsere Sucht ist zu unserem "Gott" geworden. Mit Gottes Hilfe können wir jede Sucht besiegen. Das müssen wir auch tun, denn in manchen Fällen hängt unser Leben davon ab. Noch wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass die Sucht der Erlangung des ewigen Lebens in Gottes Königreich im Weg steht. "Wenn jemand zu mir kommt und haßt [im Sinne von "weniger liebt"] nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. [...] So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein" (Lukas 14,26.33).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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