|
HOME
WHAT'S NEW
CONTACT US
LETTERS
LITERATURE
AUDIO
FEASTS
NETSERVICES
FEEDBACK
UPDATES
Standing Watch
Deutsch
Français
|
IRREALE ANGST VOR ANTI-SEMITISMUS?
Seit einiger Zeit macht sich ein bedauernswertes Phänomen in Deutschland bemerkbar
– ein Phänomen, das mit Antisemitismus im Zusammenhang steht.
Das Phänomen, um das es in diesem Artikel geht, hat jedoch nichts
mit der Praxis des Antisemitismus zu tun – vielmehr geht es um
die Angst vor Antisemitismus. Zum Beispiel wurde kürzlich der
ehemalige Vize-Kanzler Jürgen Möllemann als Antisemit abgestempelt,
weil er die Handlungen von Ariel Sharon kritisierte. Fast die
gesamte deutsche Presse, sowie Politiker aus allen Parteien, stimmten
in den Chor mit ein. Eine unglaubliche Hetzkampagne wurde gegen
Möllemann geführt – und zum Schlub starb Möllemann,
als sich bei einem Absprung sein Fallschirm nicht öffnete. Viele
sprachen von Selbstmord, da Möllemann die Kritik nicht habe ertragen
können – einige sprachen sogar von Mord.
Nun wurde ein konservativer CDU-Abgeordneter, Martin Hohmann, als Antisemit
bezeichnet, weil er am 3. Oktober 2003 eine kontroverse Rede hielt.
Die deutsche und internationale Presse meldete, dab Hohmann von der “Täterschaft der Juden” während
der Russischen Revolution gesprochen habe. Die Reaktion war heftig.
Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland,
kündigte laut Presseberichten an, dab er Strafanzeige
gegen Hohmann stellen werde. Verteidigungsminister Peter Struck
entlieb sofort einen hochrangigen und wichtigen
Brigadegeneral, Reinhard Günzel, der Hohmanns Rede gelobt hatte.
Günzel hatte sich in einem privaten Brief anerkenned über Hohmanns Mut geäubert und
geschrieben:
Eine ausgezeichnete
Ansprache, wenn ich mir dieses Urteil erlauben darf, wie man
sie mit diesem Mut zur Wahrheit und Klarheit in unserem Land
nur noch sehr selten hört und liest. Und auch, wenn sich all
diejenigen, die sich dieser Auffassung anschlieben oder sie gar laut und deutlich artikulieren,
von unserer veröffentlichten Meinung sofort in die rechtsradikale
Ecke gestellt werden, können Sie sicher sein, dass Sie mit diesen
Gedanken der Mehrheit unseres Volkes eindeutig aus der Seele
sprechen. Ich hoffe, dass Sie sich durch Anwürfe aus dem vorwiegend
linken Lager nicht beirren lassen und mutig weiterhin Kurs halten.
Wenn man die Pressberichte analysiert und mit der Rede Hohmanns vergleicht,
kommt man unweigerlich zu dem Schlub, dass manche der sensationellen Ausführungen der
Presse weder fair noch ausgewogen sind. Die tragische Ironie ist,
dass Hohmann die Juden gerade NICHT als Tätervolk bezeichnet hat.
Vielmehr macht seine Rede deutlich, dass er eine Parallele mit
dem angeblichen Tätervolk der Deutschen aufzeigen wollte. Der
Spiegel veröffentlichte am 31. Oktober 2003 über Internet Auszüge
aus Hohmanns Rede. Diese Auszüge belegen, was Hohmann sagte –
und was er nicht sagte:
Das deutsche Volk
hat nach den Verbrechen der Hitlerzeit sich in einer einzigartigen,
schonungslosen Weise mit diesen beschäftigt, um Vergebung gebeten
und im Rahmen des Möglichen eine milliardenschwere Wiedergutmachung
geleistet, vor allem gegenüber den Juden… Auf diesem
Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch
bei dem jüdischen Volk, das wir ausschlieblich
in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren
Geschichte oder waren Juden ausschlieblich die Opfer, die Leidtragenden?… Wir haben… gesehen, wie stark und nachhaltig Juden
die revolutionäre Bewegung in Russland und mitteleuropäischen
Staaten geprägt haben. Das hat auch den amerikanischen Präsidenten
Woodrow Wilson 1919 zu der Einschätzung gebracht, die bolschewistische
Bewegung sei ‘jüdisch geführt.’ Mit einer gewissen Berechtigung
könnte man im Hinblick auf die Millionen Toten dieser ersten
Revolutionsphase nach der “Täterschaft” der Juden fragen… Das
mag erschreckend klingen. Es
würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als
Tätervolk bezeichnet… Wir müssen genauer hinschauen.
Die Juden, die sich
dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten
zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt. Sie waren nach Herkunft
und Erziehung Juden, von ihrer Weltanschauung her aber meist
glühende Hasser jeglicher Religion. Ähnliches galt für die Nationalsozialisten.
Die meisten von ihnen entstammten einem christlichen Elternhaus.
Sie hatten aber ihre Religion abgelegt und waren zu Feinden
der christlichen und der jüdischen Religion geworden. Verbindendes
Element des Bolschewismus und des Nationalsozialismus war also
die religionsfeindliche Ausrichtung und die Gottlosigkeit. Daher
sind weder “die Deutschen”, noch “die Juden” ein Tätervolk.
Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren
gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen
Jahrhunderts…
In dem Sturm, der diese Rede auslöste, wurden viele der Hauptaussagen ignoriert.
Der Stern schrieb in einem über Internet verbreiteten Artikel
vom 5. November 2003, dass Hohmanns “Äuberungen vermutlich ihre Quelle in dem jüngsten Buch
des russischen Schriftstellers und [Friedens-] Nobelpreisträgers
Alexander Solschenizyn” haben. Auf Berufung eines Berichts der
“Bremer Nachrichten” wurde weiter ausgeführt: “Es gebe teils wörtliche
Übereinstimmungen von Passagen der Rede Hohmanns mit denen des
Solschenizyn-Werkes ‘Zweihundert Jahre zusammen’. Darin untersucht
der Autor auch die Rolle der Juden in der russischen revolutionären
Bewegung.”
All dies zeigt, dab die Angst vor
dem Antisemitismus lebt und so grob ist, dab sie unrealistisch werden kann. Auf der anderen Seite
müssen gerade deutsche Politiker und die deutsche Presse vorsichtig
sein, dab ihre Äuberungen und ihre Berichterstattung nicht jene Art
des Antisemitismus heraufbeschwören, die jeder anständige Bürger
ablehnt und mit Grauen verwirft. Falls jedoch unrealistische und
unausgewogene Meinungen weiterhin propagiert werden, könnte dies
zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen.
|