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Editorial
Depressionsbewältigung
von Norbert Link
Ein kürzlich erschienener Artikel in einer deutschen Zeitschrift
betonte, dass fünf bis zehn Prozent aller Menschen der westlichen
Zivilisation unter Depressionen leiden. Allein in Deutschland
begehen jährlich 12.000 Menschen aufgrund ihrer Depressionen
Selbstmord, und weitere 250.000 Menschen werden jedes Jahr in
Kliniken eingeliefert wegen aus Depressionsleiden hervorgehender
Suizidversuche (lt. Angaben des Focus Online vom 15. Februar 2004).
Die klinische Depression stellt den höchsten Grad einer
Entwicklung dar, die mit wiederkehrenden Frustrationsausbrüchen
und einhergehender Selbstbemitleidung beginnt. Statt solchen Empfindungen
den Kampf anzusagen und sie zu überwinden, wird den Betroffenen
von sog. medizinischen Experten oftmals geraten, sich mehr auf
sich selbst zu konzentrieren und Gefühle zu entwickeln, die
das eigene "Ego" stärken und aufbauen. Das Ziel
ist, sich danach besser zu fühlen und ein gesteigertes Selbstachtungsgefühl
zu entwickeln, und gleichzeitig andere Menschen aus der unmittelbaren
Umwelt, wie Eltern, Freunde und Verwandte, oder auch die Gesellschaft
als ganzes, für den eigenen psychischen Zustand verantwortlich
zu machen. Doch dies ist der sicherste Weg, Depressionen nicht
zu bezwingen.
Das Selbstmitleid, auch "Wehe mir"- Syndrom genannt,
kann sogar zu einem Selbstmord führen, wenn es nicht frühzeitig
überwunden wird. Judas beging einst Selbstmord, als er erkannte,
dass er schwer gesündigt hatte. Doch anstatt seine Tat aufrichtig
zu bereuen und Gott um Hilfe zu ersuchen, wollte er nicht mehr
weiterleben -- sein ihn gänzlich vereinnahmender Kummer wurde
ihm schließlich unerträglich (vgl. Matthäus 27,3-5).
Auch Paulus hatte sich viel zu schulden kommen lassen. Ehemals
Saulus genannt, verursachte er den Tod vieler treuer Christen.
Jedoch bereute er auf eine ehrliche und aufrichtige Weise und
beschuldigte nie andere für seine Vergehen. Er bat Gott um
Gnade und Vergebung und begann, ein neues Leben zu führen
(vgl. Apostelgeschichte 26,9-18).
Wir alle haben gesündigt (vgl. Prediger 7,20). Wir alle
haben uns Dinge zu schulden kommen lassen, auf die wir alles andere
als stolz sein können. Wir alle könnten das ein oder
andere an einzelnen Leuten aussetzen und sie dafür beschuldigen,
was aus uns geworden ist -- was wir heute sind. Aber solch ein
Verhalten ist weder förderlich noch gesund. Wir sind, was
wir sind, und wir müssen uns alle fortwährend ändern,
um bessere Menschen zu werden. Um hierbei erfolgreich zu sein,
müssen wir Gott um Hilfe ersuchen und eine nachhaltige Nächstenliebe
entwickeln. Christus sagte, dass geben seliger ist als nehmen
(siehe Apostelgeschichte 20,35). Wenn wir uns mehr um andere kümmern,
sind wir weniger um uns besorgt und mit uns beschäftigt.
Dann konzentrieren wir uns auch weniger darauf, was wir sind und
was wir von anderen erhalten konnen. Wenn wir "seliger"
sind, sind wir glücklichere Menschen. Christus lehrte uns,
dass es lohnender und vorteilhafter, wichtiger und gesünder
ist, zu versuchen, andere Menschen glücklich zu machen, als
uns selbst. Es erscheint zunächst ein merkwürdig-paradoxer
Widerspruch zu sein, wenn wir uns vorstellen, dass uns Hilfsbereitschaft
und Selbstlosigkeit zu glücklicheren Menschen machen sollen,
doch dies ist in der Tat der Fall. Dies ist eine göttliche
Art, Depressionen zu bewältigen. Dies beinhaltet auch die
Vergebung von Missetaten anderer Menschen sowie die Erkenntnis,
dass auch wir Fehltritte gemacht haben (vgl. Epheser 4,32; Kolosser
3,13). Wahre "Liebe deckt alle Übertretungen zu"
(Sprüche 10,12).
Gott kann nicht depressiv werden. Er ist ein überaus glückliches
Wesen, denn "Gott ist die Liebe" (1. Johannes 4,16),
und er strömt eine göttlich-vollkommene Liebe aus. Sie
teilt mit anderen, und sie ist besorgt über das Wohlergehen
und den Vorteil anderer. Sie ist darauf bedacht, andere glücklich
zu machen.
Depressionen kann man nicht dadurch überwinden, dass man
ein melancholisch-schwermütiges Befinden entwickelt und beibehält,
die Schuld dafür auf seine Mitmenschen schiebt, sich auf
sich selbst konzentriert, in Selbstmitleid versinkt und im Hass
auf andere Leute, ja auf die ganze Gesellschaft, endet. Depressionen
überwindet man auch nicht dadurch, dass man sein Unglück,
seine Erziehung, seine Abstammung, oder selbst Gott für seine
"ungerechte" Haltung verantwortlich macht.
Wenn man seine Depressionen in den Griff bekommen und sie überwinden
will, wenn man ein glücklicherer Mensch werden möchte,
so musst man sich zuallererst eingestehen, dass man selbst --
wie alle anderen auch -- Fehler gemacht hat. Statt auf die Sünden
anderer zu schauen, sollte man sich selbst prüfen (vgl. 2.
Korinther 13,5). Wenn man seine eigenen Übertretungen anerkennt
und bereut, kann man ein neues Leben beginnen, das auf Hoffnung
und Vertrauen zu Gott basiert. Mit dem Blick nach vorn kann man
Geschehenes in der Vergangenheit begraben sein lassen (vgl. hierzu
Philipper 3,13).
Dann wird man sehr bald bemerken, wie uns Gefühle von Niedergeschlagenheit
und depressiven Frustrationen verlassen werden. Man wird erkennen:
Es gibt Hoffnung für die Zukunft (vgl. Jeremia 31,17). Man
kann seinen Nächsten lieben wie sich selbst (siehe Matthäus
19,19). Die Fürsorge um andere, sowie das Beten für
unsere Feinde, kann und wird unser Leben maßgeblich motivieren
(vgl. Matthäus 5,44). Wir muessen uns vor Augen halten, dass
Christus für uns, ganz individuell, gestorben ist, als wir
noch seine Feinde waren (vgl. Römer 5,1; Kolosser 1,21).
Wir werden erkennen, dass Glück und Freude unser Leben bestimmen
werden -- Gefühle der enttäuschenden Hoffnungslosigkeit
hingegen werden der Vergangenheit angehören.
Depressionen gehen ursprünglich von Satan aus. Uns ist geboten,
Satan zu widerstehen. Dann werden er und seine destruktive Gesinnung
von uns fliehen (vgl. Jakobus 4,7). Wir müssen uns vor Gott
demütigen, so wird er uns erhöhen (siehe Jakobus 7-10),
d. h. er wird uns Trost, Freude und Hoffnung für die Zukunft
geben. Christus zeigte uns, wie dies zu bewerkstelligen ist. Als
Satan ihn in Versuchung führte, die Bestimmung seines ersten
Kommens zu verleugnen, sagte Christus: "Weg mit dir, Satan!"
(Matthäus 4,10). Demzufolge musste Satan von ihm weichen,
und Engel dienten ihm (vgl. Matthäus 4,11). Im Garten zu
Gethsemane betete Christus später zu Gott, dem Vater, für
geistigen Beistand. Ihm erschien ein Engel, der ihn stärkte
(vgl. Lukas 22,41-44). Christus hatte die ganze Zeit über
seine Absicht keineswegs vergessen, sein Leben für andere
zu opfern, um jenen das Leben zu ermöglichen (vgl. hierzu
Johannes 10,10; 17,4; Matthäus 16,21-23). Gott der Vater
und Jesus Christus, Gottes Sohn, liebten uns so sehr, dass sie
bereit waren, dieses höchste Opfer zu bringen (vgl. Johannes
3,16.17; Galater 2,20; Epheser 5,2). Christus ließ sich
niemals von jenen satanistisch-depressiven Empfindungen erschüttern.
Satan bot ihm alle Reiche dieser Welt an, doch Jesus ging nicht
auf diese Versuchung ein (vgl. Matthäus 4,5-9). Jesus sollte
ihm beweisen, dass er der Sohn Gottes ist. Den leichteren Weg
sollte er wählen, den Teufel anbeten und den ihn erwartenden
Schwierigkeiten entsagen, um sofort Herrscher über alle Reiche
zu werden.
Christus war jedoch in der Lage, diese enorme Versuchung zu verwerfen,
welche ihm Kummer und Depressionen bereitet haben könnten.
Christus wahrte immer seine Liebe zu Gott und der Menschheit,
indem er Satan widerstand. Er wälzte seine Verantwortung
nie auf andere ab und er beschuldigte sie nie seiner Situation
wegen, um somit die einfachere Alternative rechtfertigen zu können.
Er kam, um in seiner großen Liebe für uns zu sterben.
Er kam, um seine Liebe mit uns zu teilen, so dass wir Depressionen
bezwingen und glücklichere Menschen werden können. Schliesslich
sollen wir ja das Reich Gottes ererben -- ein Reich unbeschreiblichen
Glücks und beispielloser Freude (vgl. Matthäus 25,21;
Psalm 16,11). Und so musste der Teufel von ihm weichen. Wenn wir
Christi Vorbild folgen, werden auch wir lebensbejahende, glückliche
Menschen werden.
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